Mediendidaktik und Medienkompetenz

Zusammenfassung:

Der Autor versucht der Mediendidaktik neben dem Ziel eines "sinnvollen Einsatzes der richtigen Medien für einen optimalen Lernerfolg" eine weitere gedankliche Grundlage zu verschaffen. Hierzu setzt er diese in Bezug zum Begriff der "Medienkompetenz", den er in vier sich überschneidende und aufeinander aufbauende Dimensionen gliedert.
Ausführlicher finden sich Teile dieser Betrachtungen auch hier.

Der Begriff der Mediendidaktik

Findet sich bei so mancher Didaktik eine äußerst umfangreiche und dem unvoreingenommenen Betrachter oft auf den ersten Blick eher unverständliche Erklärung, ist dies bei der Mediendidaktik anders. Zum Beispiel schreibt Lars Herbeck1: "Versteht man unter Didaktik die Wissenschaft vom Lehren und Lernen im weitesten Sinne, dann fällt darunter auch die Mediendidaktik als Theorie des Medieneinsatzes." Robert J. Westenkirchner2 konkretisiert die Mediendidaktik als "... lern- und medienpsychologisch begründete Theorie über den optimalen Lernerfolg aufgrund der Medienauswahl, der Medienwirkung und der Medienkombination." um später noch einmal anzuführen "Das richtige Medium zum jeweiligen Lernzweck einzusetzen ist hierbei wichtig."3 Damit ist das Wichtigste zu diesem Begriff gesagt. Tiefgreifende, das Menschenbild betreffende, fast philosophische Ausführungen wie bei anderen didaktischen Konzepten scheinen keine große Rolle zu spielen.

Medienpädagogische Erweiterung und Medienkompetenz

Der Blickwinkel und die Intention der Person, die die "Medien didaktisch" einsetzt, beeinflussen jedoch nicht unerheblich die Auswahl der Medien und deren "Wirksamkeit". Nicht zu vergessen die eigene Medien(didaktische)kompetenz dieser Person, wie z.B. die Fähigkeit kurz und prägnant zu vermitteln, wie im Internet etwas am Besten gefunden wird. Zudem berührt jeder Medieneinsatz und sogar jede Medien(be)nutzung die Frage nach der "Medienkompetenz". Die Diskussion um "Mediendidaktik" ist daher m.E. im Zusammenhang mit einem Konzept der Medienkompetenz zu sehen in der sie u.a. selbst eine Rolle spielt. Dies könnte in einem sich überschneidenden, fließenden Vier-"Stufenmodell"4 wie folgt aussehen:
 
Aufbau der übergreifenden und variablen Schichten der Medienkompetenz

Abb: Aufbau der übergreifenden und variablen Schichten der Medienkompetenz

Konkret kann unter diese sich überlagernde Schichten z.B. fallen:

1. kritisch / kundige Medienkompetenz

2. rezeptiv & interaktiv / nutzende Medienkompetenz

3. didaktisch / benutzende Medienkompetenz

4. aktiv / gestaltende Medienkompetenz

Fazit

Die Mediendidaktik auf einen "richtigen Einsatz der Medien" zu reduzieren greift m.E. zu kurz. Aus medienpädagogischer Sicht sollte sie vielmehr durch ein u.a. auch anthropologisch / kommunikationstheoretisch fundiertes Konzept von Medienkompetenz und dessen verschiedene Dimensionen begründet werden.

Zum Beispiel sollte immer mitbedacht werden, inwiefern ein Medieneinsatz "nebenbei" dem Erwerb zumindest von Teilaspekten dieser Medienkompetenz dienlich sein kann.

Als Anforderung an den Didaktiker erscheint darüber hinaus diese weitgehende Medienkompetenz (auf allen Ebenen) für eine umfassend Betrachtung und Anwendung der Mediendidaktik als unverzichtbar.

Zum Autor:

S.Geldhauser, Dipl.Inform.(FH) im Fachbereich Medieninformatik, Student im Aufbaustudiengang Medienpädagogik, arbeitet zur Zeit an seiner Diplomarbeit zu "Medienpädagogischen Aspekten Interkultureller Bildung". Im WWW unter http://stevE.de/privat/

Literatur:



1in Döring u.a., 1998 - S. 234

2 ebd. S. 242

3 ebd. S. 246

4 Zusammenfassende, aufbauende Dimensionen der Medienkompetenz. u.a. inspiriert durch Sichtweisen / Theorien von: Dieter Baacke, Barbara Mettler-v.Meiborn, Herbert Kubicek, Bernd-Peter Lange, Peter Glotz, Heinz Moser, ...

Die Übergänge und Zuordnungen sind ebenso fließend, wie die Schichtenanordnung. Je nach persönlicher Gewichtung und Ausrichtung kann entsprechend "umsortiert" werden.

5 der kurz: eine kompetente Quelleneinschätzung

6 Dies beinhaltet eine umfassenden Betrachtung der Auswirkungen des Medienkonsums auf eigene Vor- und Einstellungen ebenso, wie die Fähigkeit Medien (von der Produktion bis hin zur Verfügbarkeit) in einem globalen sozial/ökologischen Zusammenhang kritisch beleuchten zu können.

7 Hier zeigt sich eine der Überschneidungen die je nach Sichtweise eine andere Zuordnung erlaubt. Die Kommunikationsfähigkeit ("andere verstehen und von ihnen verstanden werden") wird hier jedoch als eine (medien)didaktische Grundlage verstanden die z.B. das Wissen um, und die Anwendung von Kommunikationstheorien wie die von Schulz v. Thun und Watzlawick voraussetzt.

8 Auch hier zeigt sich z.B. die Überschneidung mit Ebene 3, der didaktisch / benutzenden Medienkompetenz